Medizinischer Nutzen der Verhaltensmedizin

By Thilo Jakob on 29. Juli 2014 in Allgemein
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Charlie Brown und Snoopy
Wer heute noch in Frage stellt, ob Veränderungen des Lebensstils einen medizinischen Nutzen haben ist gut beraten die aktuellen wisschenschaftlichen Studien nachzuvollziehen. Diese zeigen beispielsweise, dass Verhaltensmedizin die für das Immunsystem und die Selbstheilungskräfte wichtigen Chromosomen von Blutzellen stärken, Krebsgene deaktivieren und zur natürlichen Rückbildung von Koronarstenosen führen kann. Ebenfalls wissenschaftlich erwiesen ist, dass Bewegung, qualitativ hochwertige mediterrane Küche und eine Verringerung des Stresslevels das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen signifikant senkt. Die nachfolgenden Hintergrundinformationen sollen noch einmal anhand der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Punkt bringen, dass Lebensqualität die individuelle Gesundheit direkt beeinflusst. In diesem Sinne ist der HealthRegion Freiburg-Claim www.start-living-healthcare.de eine Einladung aktiv etwas für die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit zu tun und von den medizinischen Kernkompetenzen der Gesundheitsregion Freiburg zu profitieren. Prävention funktioniert in der Praxis aber nur dann, wenn diese einen Beitrag zur Lebensfreude leistet und damit zum integralen Bestandteil des Lebensstils wird. Bei Prävention gibt es weniger ein Erkenntnis- als vielmehr ein Umsetzungsproblem.

• In einer Langzeitstudie (Quelle: Ornish et al., Lancet Oncology, 2008) – veröffentlicht in einem der weltweilt renommiertesten wissenschaftlichen Journals – wurde gezeigt, dass die Verkürzung der für die Anfälligkeit krank zu werden und die Lebenserwartung wichtigen Schutzkappen der Chromosomen nicht unumkehrbar ist: Durch ein Lebensstil-Programm konnten die Schutzkappen der Chromosomen von Blutzellen um 10 % verlängert werden, während in der Kontrollgruppe eine Schrumpfung um 3 % festgestellt wurde.

• In einer weiteren wissenschaftlichen Studie (Ornish et al., Proceedings PNAS, 2008) wurde gezeigt, dass durch ein Lebensstil-Programm 48 negativ wirkende Krebsgene deaktiviert und 453 positiv wirkende Krebsgene aktiviert werden konnten. Zugleich wurde eine Rückbildung des Tumorgewebes in der Prostata festgestellt.

• Ein gesundheitsbewusster Lebensstil führt schon nach wenigen Wochen zu einer natürlichen Rückbildung der koronaren Herzkrankheit. So hat die prospektive und randomisierte „Lifestyle Heart“-Studie (The Lancet – Englische Ausgabe/8708 1990, 336: 129-133 „Can lifestyle changes reverse coronary heart disease?“) gezeigt, dass sich eine Koronarsklerose durch umfassende Änderung des Lebensstils nach Ablauf eines Jahres beeinflussen lässt. 28 Patienten wurden einer Versuchsgruppe zugeteilt (fettarme vegetarische Diät, Rauchverbot, Stressbewältigungstraining und leichte Bewegungsübungen), 20 einer normal betreuten Kontrollgruppe. 195 Veränderungen der Koronararterien wurden mittels quantitativer Koronarangiographie analysiert. Nach einem Jahr zeigte sich bei den Patienten der Versuchsgruppe eine deutliche Gesamtrückbildung der Koronarsklerose, wie die quantitative Koronarangiographie erkennen ließ. Der mittlere Stenosendurchmesser war in der Versuchsgruppe von 40,0 % auf 37,8 % zurückgegangen, dagegen hatte er in der Kontrollgruppe noch von 42,7 % auf 46,1 % zugenommen. Wurden nur Stenosierungen über 50 % berücksichtigt, so ergab sich ein Rückgang des mittleren prozentualen Stenosendurchmessers in der Versuchsgruppe von 61,1 % auf 55,8 % und einer Zunahme in der Kontrollgruppe von 61,7 % auf 64,4 %. Insgesamt war es in der Versuchsgruppe bei 82 % der Patienten zu regressiven Veränderungen gekommen. Umfassende Veränderungen der Lebensgewohnheiten können also sogar eine schwere Koronarsklerose nach nur einem Jahr ohne lipidsenkende Medikation zur Rückbildung bringen.

• Eine Ende 2013 in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie mit 9.306 Teilnehmern aus 40 Ländern mit einem erhörten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen hat gezeigt, dass diejenigen, die 2.000 Schritte am Tag gelaufen sind einen um 10% geringeres Herzinfarktrisiko hatten. In Studien mit 55.000 Menschen eines Forscherteams um Duck-chul Lee von der Iowa State University in Ames (veröffentlich im „Journal of the American College of Cardiology“) hatten Läufer ein um rund 30 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben als Bewegungsmuffel. Bei den Studienergebnissen ist zu berücksichtigen ist, dass sich Sport und Gesundheit in vielfacher Weise gegenseitig beeinflussen. Wer sich viel bewegt, ist gesünder und daher auch in der Lage, sich mehr zu bewegen und gesünder zu bleiben – Ursache und Wirkung sind also nicht immer ganz klar erkennbar.

• Im Oktober 2003 hat eine große prospektive Studie (N Engl J Med 2013; online 25. Februar) mit 7.447 Personen hat Dr. Ramon Estruch von der Universität Barcelona gezeigt, dass qualitativ hochwertiges Essen mit mediterranem Charakter das relative Risiko für ein kardiovaskuläres Ereigniss signifikant um 30 Prozent niedriger ist als in der Kontrollgruppe mit relativ fettarmer Kost. Die Studienteilnehmer wiesen bereits einen Typ-2-Diabetes oder mindestens drei einschlägige Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Dyslipidämie, Zigarettenrauchen oder Fettleibigkeit auf. Am deutlichsten war der Unterschied zugunsten der Mittelmeer-Kost beim Endpunkt Schlaganfall.

• Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg • Bad Krozingen konnten erstmals den Zusammenhang zwischen Stress, schädlichen Gefäßablagerungen und dem daraus resultierenden erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine publizieren (Chronic variable stress activates hematopoietic stem cells. Nature Medicine 2014 doi:10.1038/nm.3589). Zusammen mit einem Forscherteam an der Harvard Universität in Boston, USA, fanden die Wissenschaftler heraus, dass chronischer Stress zu einer erhöhten Produktion neutrophiler Granulozyten und Monozyten, Untergruppen von weißen Blutkörperchen, führen, die sich in den Gefäßwänden ablagern und durch Entzündungsprozesse dazu beitragen, dass Arterien verstopfen können.

 

 

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